Online Geschäftsberichte – setzen Sie schon auf den Turboeffekt?

Gemeinsam mit einem Kollegen machte ich mich neulich auf den Weg zu einem Kunden, einen großen Investmentverwalter. Die nächsten Schritte des Webauftrittes waren zu besprechen, der in den vergangenen zwölf Monaten von uns überarbeitet wurde.

Im Termin kam die Sprache auf den Geschäftsbericht. Der Kunde hat gerade eine Designagentur beauftragt, den Bericht zu gestalten und ihn auf der Webseite als Onlineversion zu veröffentlichen.

Interessant, dachten wir und baten alle Teilnehmer ihre Schätzung für den prozentualen Traffic des Onlineberichts im Vergleich zur Webseite abzugeben. Die Schätzungen lagen bei 25%, 35% und ein Teilnehmer ging sogar von 50% aus.

Im Laufe der Jahre haben wir von mehr als 2.000 Kunden (alles gelistete Unternehmen) ein beachtliches Datenvolumen gesammelt und ausgewertet. Die Statistik spricht eine ganz andere Sprache: der tatsächliche Anteil beträgt gerade einmal 2%.

Es kommt nicht in oft vor, dass die Teilnehmer eines Meetings hörbar nach Luft schnappen. Alle schnappten. Auf meine Frage, warum die Überraschung, kam die Antwort: „Weil uns der Geschäftsbericht ein kleines Vermögen kostet – er kommt uns teurer als unsere Webseite.“

Ein durchschnittliches gelistetes Unternehmen mit vielen Kleinanlegern legt für Design, Druck und elektronische Version des Berichts zwischen 210.000 € und 350.000 € hin. Selbst kleine Unternehmen mit weniger Shareholdern zahlen 15.000 € bis 30.000 €. Diese Kosten fallen jedes Jahr an und Zwischenberichte und andere Geschäftsmitteilungen im Jahresverlauf sind da noch nicht abgedeckt.

Unternehmen bezahlen damit ein Vielfaches im Vergleich zur Webseite für einen Bericht, der den Shareholdern einmal im Jahr in die Hand gedrückt wird und online kaum Aufmerksamkeit erweckt, während die Webseite 365 Tage und rund um die Uhr verfügbar ist.

Verstehen Sie uns richtig! Wir sagen nicht, dass die Preise für Geschäftsberichte dieser Art überteuert sind. Ein gutes Design und eine gute Redaktion dürfen nicht unterschätzt werden und der Druck ist kostspielig.

Erschreckend ist aber, dass das Kosten-Nutzen-Verhältnis verschoben ist. Vergleicht man die Zeit, das Geld und die Manpower, die für einen Geschäftsbericht aufzuwenden sind, stellt sich die Frage, warum man bei Webseiten nicht mindestens die gleichen Ressourcen bereitstellt?

GE 2014 Annual Report   CEO Letter

GE nutzt den Content seines Geschäftsberichts dynamisch auf der Unternehmenswebseite.

 

Die Geschäftsberichte, die ich in letzter Zeit gesehen habe, beinhalteten alle optisch anspruchsvolle Graphiken um den Unternehmenserfolg aufzuzeigen, kohärente Texte zur strategischen Ausrichtungen und verständliche Infografiken für die Finanzinformationen.

Im Vergleich dazu wird das Design von Unternehmenswebseiten meist nur alle paar Jahre angepasst. Auch dem Content fehlt es oft an Strategie und Zeitgeist bei der Verbreitung.

Dabei gibt es heute viele praktische Lösungen für Online-Geschäftsberichte, die Kerninformationen zugänglich machen und in den Mittelpunkt rücken. Mit anderen Worten, Geschäftsberichte müssen keine Stiefmütterchen sein. Die Leserschaft kann erheblich (!) gesteigert und Kerninformationen in die 365 Tage Strategie eingebunden werden. Geschäftsbericht und Webseite profitieren voneinander und interne Ressourcen auch.

Mit einer strategisch fokussierten und branchenorientierten Planung und ein klein wenig digitalem Know-how wird der teure Content eines Geschäftsberichts zum Treiber für die ganze Unternehmenswebseite.

Wer seine Budgets richtig fokussiert, setzt auf den Turboeffekt statt Atemaussetzer.

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